Drucker
1.3 Drucker
Ein Drucker zerfällt in den stets verstopften Druckkopf, eine zu kleine Papierzuführung, ein nicht passendes Kabel, ein leeres Farbband, beziehungsweise eine leere Tonerkassette sowie eine den Computer nicht verstehende Elektronik - und dies genau in dem Moment, wenn man ihn anschaltet.
Darüber hinaus ist der Drucker der letzte Notnagel digitaler Heimtücke. Schliesslich gilt zur Erfüllung von Murphys Gesetz
Die Ultima Ratio des Ausdruckens:
Wenn alles funktioniert, wird der Drucker versagen.
Wenn der Drucker nicht versagt, werden die ausgedruckten Ergebnisse falsch sein.
Stimmen die Ergebnisse, wirst du sie nicht entziffern können.
Stimmt alles, interessiert sich niemand für deine Ergebnisse
Es gibt vier Kategorien von Druckern, die im nachfolgenden Kapitel gleichberechtigt nebeneinander behandelt werden, da sei keine prinzipiellen Funktionsunterschiede aufweisen:
Lokale Arbeitsplatzdrucker, die deine Druckjobs wegwerfen
Lokale Arbeitsplatzdrucker, deren Treiber deine Druckjobs wegwerfen
Netzwerkdrucker, die die Druckjobs der anderen drucken und deine wegwerfen
Netzwerkdrucker, die die Druckjobs der anderen und deine wegwerfen
Adobes Druckgrundsatz
Ein Ausdruck ist nie vollkommen.
Verallgemeinerung
Spätestens dein Druckertreiber wird dafür sorgen, dass alles ausgedruckt wird. Ausser dem Wichtigen.
Konkretisierung der Verallgemeinerung
Dein Tabellenkalkulationsprogramm wird zum Beispiel Zellenrahmen, Raster und Dateinamen, nicht jedoch irgendwelche Zahlen drucken
Dies passiert dann und nur dann, wenn du den Ausdruck dringend benötigst und keine Zeit hast, Drucker oder Druckertreiber zu wechseln
Die Manuskriptkonkretisierung von Adobes Druckgrundsatz
Dem Fehler auf einem Ausdruck entdeckst du erst, wenn du dir die Kopie ansiehst und der Brief mit dem Ausdruck bereits im Briefkasten liegt.
Die Grafikkonkretisierung von Adobes Druckgrundsatz
Der Ausdruck passt nie auf eine Seite
Der Ausdruck passt auch dann nicht auf eine Seite, wenn dein Programm dir in der Preview nur eine Seite angezeigt hat.
Der mathematische Druckerpapierbeweis
Bei einem auszudruckenden Text der Länge n Seiten ist die zur Verfügung stehende Restmenge an Druckerpapier n-1 Blatt
Die Zwei-Schacht-Erweiterung des mathematischen Druckerpapierbeweises
Bei einem Drucker mit zwei Schächten wird dein Windows-Druckertreiber vollautomatisch erkennen, dass der gewünschte Schacht leer ist und auf den anderen Schacht umstellen.
Du wirst in diesem Fall die letzten im Haus befindlichen Bögen von Laserformularvordrucken oder teurem Briefpapier verhunzen.
Cornelias Diplomgesetz
Der Drucker, auf dem du deine Diplomarbeit drucken willst, steht dir einen Tag vor dem Abgabetermin nicht zur Verfügung.
Wenn es dir gelingt, einen zweiten Drucker aufzutreiben, fehlt dir der Treiber dafür
Treibst du auch den noch auf, dann besitzt der zur Verfügung stehende Drucker die Schriften nicht, mit denen du deinen Text formatiert hast.
Kennt er wider Erwarten die Schriften, dann geht mitten im Ausdruck wahlweise
der Toner aus
das Farbband aus
die Druckwalze kaputt
der Druckkopf kaputt
Die Enwicklereinheit kaputt
Das TIFF-Gesetz
Ein nicht behebbarer Fehler im Drucker tritt nur dann auf, wenn du eine sehr grosse Datei ausdruckst, bei der Windows lange braucht, um sie in den Spooler zu schicken.
Wenn der Drucker die Datei anstandslos verarbeitet, hat er Papierstau, druckt auf das falsche Papier oder den falschen Schacht.
Dieser Fehler ist beliebig reproduzierbar, es sei denn, dein Chef fragt dich, warum du zum Ausdrucken so lange brauchst.
Das Reimer-Syndrom (auch "gemeiner Etikettenschwindel" genannt)
Ein Drucker wird anstandslos auf Etiketten drucken, solange du anwesend bist. In dem Moment, in dem du den Raum verlässt, bleiben die Etiketten im Papiereinzug kleben.
Der Auflösungsdreisatz
"Hohe Auflösung" bedeutet, dass ein Kreis gedruckt aussieht wie Stonehenge von oben - nur verschmiert.
"Mittlere Auflösung" bedeutet, dass ein Kreis gedruckt aussieht wie Stonehenge von oben - nur unscharf.
"Niedrige Auflösung" bedeutet, dass ein Kreis gedruckt aussieht wie Stonehenge von oben - nur klotziger.
Gegeben ist ein Anwendungsprogramm mit beliebig vielen CD-ROMs, auf denen sich beliebig viele Druckertreiber befinden. Daraus lässt sich ableiten:
Petras Druckertreiberanalyse
Dein Drucker ist bei der Treibersammlung nicht dabei
Ist ein Treiber für deinen Drucker dabei, dann ist er kaputt
Ist er vorhanden und nicht kaputt, dann arbeitet er nicht mit der Anwendung zusammen
Ist er vorhanden, nicht kaputt und arbeitet mit der Anwendung zusammen, dann beherrscht er ausschliesslich den altgriechischen Zeichensatz und druckt nur im tibetanischen Dreiecksformat von links unten nach rechts oben
Alternativ arbeitet er nur mit der Betriebssystemsversion zusammen, für die deine Anwendungsprogramme nicht konzipiert sind
Die Tintenstrahlerweiterung
Tintenstrahldrucker kennen nur schwarz oder weiss. Entweder hinterlassen sie das Papier unverändert oder sie besprühen alle sechs Seiten eines Blattes gleichmässig mit Tinte.
Dieses Gesetz gilt natürlich insbesondere für Farbdrucker.
Das allgemeine PostScript-Postulat
Die benötigte Schrift fehlt
Ist die Schrift vorhanden, fehlt der gewünschte Schriftschnitt
Ist beides vorhanden, druckt der Drucker sie in der falschen Grösse an die verkehrte Stelle
In allen anderen Fällen steigt er mit einer Fehlermeldung aus und bricht den Druckvorgang ab
Das spezifische PostScript-Postulat (auch als "Postulat vom kleinsten gemeinsamen Vielfachen" bekannt)
Was der PostScript-Standard ist, definieren Drucker und Programm völlig unterschiedlich
Die einzige Schrift, auf die sich beide verständigen können, wird Courier 10 sein
Ausnahme des spezifischen PostScript-Postulats
Satz 2 gilt nur, wenn du diese Schrift nicht brauchen kannst. Willst du Courier 10 pt einsetzen, werden Drucker und Programm sich auf die Konvertierung sämtlicher ASCII-Zeichen in die "Zapf Dingbats"-Schrift einigen.
Behmes WYSIWYG-Definition
Die französische Übersetzung von WYSIWYG ist "Honi soit qui mal y pense"
Rückübersetzung von Behmes WYSIWYG-Definition
Die englische Übersetzung von WYSIWYG ist "What you see is what you might get"
Die WYSIWYG-Verschärfung
Sobald bei dir irgendwelche Hoffnungen auftauchen, du würdest dich mit der Arbeit einem Ende nähern, lautet die englische Übersetzung von WYSIWYG "What you see is what you never get"
Gemeine Internet-Regel
Was du drucken kannst, wirst du nicht nach HTML exportieren können.
Nach Murphy geht das natürlich auch umgekehrt:
Erweiterungen der gemeinen Internet-Regel
Was du nicht nach HTML exportieren kannst, wirst du nicht drucken können
Was du nicht drucken kannst, wirst du nicht nach HTML exportieren können
Allgemeine Belichtungsregel
Es gibt vier voneinander völlig unterschiedliche Arten der Darstellung eines Dokuments:
die Art, wie es dein Programm auf dem Bildschirm anzeigt
die Art, wie es dein PostScript-Drucker druckt
die Art, wie es das Belichtungsstudio ausgibt
die Art, wie du es gerne hättest
Charles' Grundregel
Ein Drucker wird nie so wenig Daten bekommen, als dass er nicht mindestens ein Blatt Papier mit Schrottzeichen versauen könnte.
Charles' erweiterte Regel
Egal wie viel Schrott ein Drucker druckt - er wird dabei mindestens eine Zeile über das letzte komplett vollgeschriebene Blatt hinausdrucken.